19 min read

Der Anstieg von Hass: Fake News schaden Minderheiten in Südkorea

Regierung und Soziale Netzwerk-Unternehmen gehen nicht ausreichend gegen Hass vor

English  Korean  Spanish  French  Dutch

Listen to this story instead (English).

In einem Raum, der wie ein Fernsehstudio aussieht, spricht ein grauhaariger Mann über Südkoreas aktuelle politische und wirtschaftliche Probleme. Er strahlt Autorität aus, aber im Gegensatz zu den Experten, die in traditionellen Fernsehstudios interviewt werden, verbreitet er in seinen Erläuterungen zahlreiche Verschwörungstheorien und Desinformationen.

Anfang Dezember 2018 hatte sein Kanal mehr als 320.000 Abonnenten, was ihm zu größerer Beliebtheit verhalf als Südkoreas größten öffentlichen Sendern KBS und MBC.

Ein Beispiel für Desinformation wird in einem Artikel auf der Jeong Kyu-jae-Website veröffentlicht, in der die LGBTQ-Pride-Parade auf der Insel Jeju beschrieben wird. Er beschreibt, wie ein Demonstrant von einem zur Parade gehörenden Fahrzeug verletzt worden war – sie zogen damit mehr als 50 Kommentare an. Ein Foto, das Sanitäter vor einem Fahrzeug zeigte, sollte als Beweis dienen.

Festival-Teilnehmer sagten jedoch aus, dass der angeblich Verletzte unter das Fahrzeug gekrochen war, um die Parade zu blockieren. Ein Video zeigt, wie der Mann mit Polizeibeamten ringt, die versuchen, ihn herauszuziehen. Es erfasst auch andere Anti-LGBTQ-Demonstranten, die versuchten, die Straße zu blockieren, indem sie am Boden lagen und von der Polizei weggezogen werden mussten.

Die Beliebtheit derartiger Kanäle wächst von Tag zu Tag. Laut einer Studie der linksgerichteten Zeitung Hankyoreh haben sich im letzten Jahr die Abonnenten der Top-20 südkoreanischen konservativen YouTube-Kanäle, die Desinformationen verbreiten, mehr als verdoppelt.

Global Ground hat die 10 populärsten YouTube-Kanäle von Korea veröffentlicht, – gereiht nach der Anzahl ihrer Abonnenten – die zumindest einmalig Anti-Flüchtlings, Anti-Islam oder Anti-LGBTQ Fake News produziert oder gesendet haben. Insgesamt haben diese zehn Kanäle 11.120 Videos zwischen dem 16. Oktober 2017 und dem 4. Dezember 2018 produziert, die mehrere Beispiele von anti-muslimischen und Anti-LGBTQ Fake News enthielten.

“Wir sind strikt gegen das Homosexualitätsgesetz, das eine männliche Schwiegertochter, oder einen weiblichen Schwiegersohn, legalisieren wird, und damit das Land letztendlich ruiniert.” Dies ist der Titel eines Anti-LGBTQ-Videos vom TV-Sender News Town, in dem zwei Kommentatoren über die Folgen des Erlasses des umfassenden Antidiskriminierungsgesetzes in Südkorea sprechen.

Die Redner weisen darauf hin, dass der Zweck des Gesetzes nicht darin besteht, die Rechte von LGBTQ zu unterstützen, sondern ist es ein Versuch von Ultralinken, die mit dem nordkoreanischen Regime sympathisieren, eine kommunistische Regierung in Südkorea einzusetzen. „Wenn Homosexualität in Südkorea verbreitet ist, geht das ganze Land zugrunde“, sagt ein Sprecher im Video. Bis jetzt hatte das Video 13.911 Aufrufe und 1200 Likes.

Das meist gesehene Anti-Flüchtlingsvideo war “Breaking News: Are they fake or refugees, suspicions arise, The Korean Patriots Party calls for an investigation into a press conference” [Top-Story: Sind sie Betrüger oder Flüchtlinge? Verdachtsmomente kommen auf und die Koreanische Patriotenpartei verlangt nach einem Untersuchungsausschuss betreffend einer Pressekonferenz] auf dem „Magpie Broadcast“-Kanal. Beim Schreiben dieses Artikels war das Video 28.969-mal angesehen und 547-mal geliked.

Ein weiteres anti-muslimisches Video trug den Titel “What is the origin of ‘Islam’ that is threatening South Korea?” [Was ist der Ursprung des ‚Islam‘, der Südkorea bedroht?] und wurde über einen Kanal mit dem Namen „News Town TV“ gesendet. Derzeit hat es 27.976 Aufrufe und 1.100 Likes.

In diesem Video zitiert ein Pastor namens Lee Man-suk in seinem „Vortrag über islamische Muslime“ ein Beispiel von „Taqiyah“: „Es ist eine sehr eigenartige Lehre, nach der es in Ordnung ist, zu lügen, solange es für Allah, für Muhammad, für den Islam, für die islamischen Gemeinschaften und für den Qur’an ist.“ Deshalb werden die Menschen von den Muslimen getäuscht, fügt Lee hinzu. Tatsächlich bezieht sich Taqiyah auf eine “vorsichtige Leugnung des religiösen Glaubens angesichts einer möglichen Strafverfolgung”, laut dem Oxford Dictionary of Islam.

„Die neueste Fake News-Welle ist die erfolgreichste in der Geschichte extremistischer Hass-Gruppen und löst in den Menschen Ängste und Vorurteile aus, abgesehen davon, dass sie die öffentliche Meinung beeinflusst“, sagt Hwang Pillkyu, ein Rechtsanwalt der juristischen Menschenrechtsorganisation Gonggam.

Ein Beispiel für die weitreichenden Wirkungsbereiche wie die von Jeong und anderen ist der Fall von etwa 500 Menschen aus dem Jemen, die Anfang dieses Jahres auf der südkoreanischen Insel Jeju landeten, um Asyl zu beantragen. Für viele Koreaner, die in einer der homogensten Gesellschaften der Welt leben, warf deren Ankunft viele Fragen auf.

Ein Mann geht an der Moschee in der “Islamstraße” in Itaewon vorbei. (Seoul, Südkorea, 2018)

Flaggen vor einem Restaurant, das Halal-Essen in der „Islamstraße“ in Itaewon anbietet. (Seoul, Südkorea, 2018)

Das Schild einer U-Bahnstation mit dem Namen „Itaewon“, ein Einkaufs- und Vergnügungsbezirk, in dem sich die „Islamstraße“ und Transgender-Bars befinden. (Seoul, Südkorea, 2018)

Außerdem waren politisch motivierte, extremistische Hass-Gruppen – unter ihnen konservative Evangelikale, Nationalisten und Frauenfeinde – nur allzu bereit, diese zu beantworten. Sie begannen, Informationen über die jemenitischen Flüchtlinge zu verbreiten und fügten diesen furchteinflößende Hashtags bei, wie „Falsche Flüchtlinge“ und „Staatsbürger zuerst“.

Durch diese Desinformation angestachelt wurden seit Juli letzten Jahres ein Dutzend Protestaktionen gegen die Flüchtlinge durchgeführt. Bei jeder von ihnen riefen etwa 1.000 Teilnehmer: „Falsche Flüchtlinge raus!”

Einige männliche Flüchtlinge erhielten hasserfüllte, rassistische und bedrohliche Botschaften auf ihren Sozialen-Netzwerk-Konten, berichtet Go Eunji, Direktor von Nancen, einer Gruppe, die sich für Flüchtlinge einsetzt.

„Fake News sind in Korea nichts Neues, genauso wie Bigotterie nichts Neues in unserer Gesellschaft ist“, sagte Go. „Aber im Licht der neuesten Flüchtlingskrise auf der Insel Jeju haben sie den Hass angefacht.“

Ein Mann erhielt eine Morddrohung, die an sein Baby gerichtet war, während der Name eines anderen Mannes auf einem Flugblatt zu „falschen Flüchtlingen“ verwendet wurde. Ein dritter Mann wurde auf der Straße tätlich angegriffen.

“Heute sind [die Flüchtlinge] in ihrem täglichen Leben übervorsichtig, um ja ihre Religion oder ihr Herkunftsland nicht preiszugeben“, sagte Go. Er fügte hinzu, dass aus Sicherheitsgründen keiner der Flüchtlinge mehr bereit wäre, mit den Medien zu sprechen.

Zusätzlich unterschrieben fast 715.000 Menschen eine Petition, in der sie die Regierung aufforderten, Flüchtlingen kein Asyl mehr zu gewähren.

Vor Kurzem lehnte die Regierung den Flüchtlingsstatus aller Jemeniten auf der Insel Jeju ab. Stattdessen bekamen 339 von ihnen zeitweilige Visa aus humanitären Gründen, die nur ein Jahr lang gültig sind. 34 von ihnen wurden abgelehnt und der Rest befindet sich in einer Warteposition.

Fake News-Seiten spielten eine Rolle, als es darum ging, die Entscheidung der südkoreanischen Regierung bezüglich der Asylanträge von 458 Jemeniten zu beeinflussen, sagt Hong Sung Soo, Juraprofessor an der Sookmyung Frauenuniversität in Seoul und Experte für Hassreden.

“Die Anti-Flüchtlings-Fake-News hatten einen mächtigen Einfluss, der weitreichender war, als nur Furcht zu schüren. Sie übten tatsächlich Druck auf die Gesetzgebung der Regierung aus“, sagte Hong gegenüber Global Ground.

YouTube, die Mekka für Fake News

Laut Experten sind es besonders YouTubes Algorithmen und deren Monetarisierungsansatz, die dazu beigetragen haben, dass Fake News immer populärer geworden sind.

YouTube teilt einen kleinen Teil seiner Werbeeinnahmen mit einflussreichen Vloggern – solchen, die mindestens 1.000 Abonnenten und 4.000 angesehene Stunden in den vorhergegangenen 12 Monaten vorweisen können. Das soll als Ansporn dienen, um beliebte Kanäle zu erschaffen.

“Bei YouTube macht sich Einfluss für alle bezahlt, egal, wie schädlich ihre Überzeugungen sind. Die Plattform und ihre Elterngesellschaft haben zugelassen, dass rassistische, frauenfeindliche und hasserfüllte Inhalte online geblieben sind und in vielen Fällen auch noch Werbeeinnahmen generiert haben, solange sie nur keine offenen Beleidigungen enthielten“, steht in dem Bericht “Alternative Influence: Broadcasting the Reactionary Right on YouTube” [„Alternativer Einfluss: Das Sendebewusstsein der reaktionären Rechten auf YouTube“] von Data and Society, einem Forschungsinstitut, das den sozialen und kulturellen Problemen nachgeht, die durch datenzentrierte und automatisierte Technologien entstehen.

Der größte der Top-10 Kanäle, die von Global Ground analysiert wurden, ist The Shin’s Move – dieser Kanal verzeichnete zwischen dem 12. November und dem 10. Dezember 2018 24,7 Millionen Ansichten innerhalb von nur 30 Tagen. Laut einer Schätzung des auf die Sozialen Netzwerke spezialisierten Analyseunternehmens Social Blade verdient der Kanal jährlich zwischen US$74,200 und US$1,2 Millionen.

 

Der Algorithmus, der hinter YouTube steht und der auch entscheidet, welche Inhalte individuellen Nutzern vorgeschlagen werden, verstärkt systematisch sensationsgierige, spaltende und verschwörungstheoretische Inhalte, sagt ein vormaliger YouTube-Ingenieur gegenüber der britischen Zeitung The Guardian.

Indem YouTube gewollt Videos vorschlägt, die bereits beliebt sind und so Werbeeinnahmen generieren können – die aber auch oft sensationslüstern und politisch einseitig sind – verstärkt es potenziell den Einfluss von Fake News auf der Plattform. Eine leider nicht genutzte Alternative wären Vorschläge, die allein auf dem Verlauf des Nutzers basieren.

YouTube sagte gegenüber dem Guardian, dass sein Algorithmus nicht nur die Anzahl der auf der Plattform verbrachten Stunden erhöht, sondern auch versucht “aufrührerische religiöse oder supremakistische” Videos zu verhindern.

In Südkorea macht sich dieser Einfluss bereits bemerkbar.

In einer kürzlich erschienenen Studie der koreanischen Presseorganisation gaben 34 Prozent der Teilnehmer an, Fake News in den sozialen Netzwerken gesichtet zu haben. Das Hauptmedium, in dem sie Fake News gesehen hatten, war YouTube, gefolgt von Facebook und sozialen Messenger-Apps wie Kakao Talk, Südkoreas beliebtestem Textnachrichtendienst.

In vielen dieser Fake News-Artikel kommen Sprecher vor, die in Verbindung zu der Esther Pray Movement Organisation stehen, laut Hankyoreh eine ultra-konservative evangelikale Gruppe.

Im September erstellte Hankyoreh eine Liste mit den 22 am häufigsten verbreiteten Fake News-Storys auf YouTube, sowie den Top-20 Kanälen, die solche Geschichten verbreiteten. Die Publikation konnte die Hauptakteure auf 25 Personen eingrenzen, die als „Experten“ in diesen Kanälen auftraten. Alle 22 Fake News Geschichten und alle 21 Sprecher standen in enger Verbindung zu der Esther Pray Movement Organisation.

Durch ihre religiösen Überzeugungen motiviert, hat es die Esther Pray Bewegung besonders auf die LGBTQ-Gemeinde abgesehen. Pünktlich zum Termin von Südkoreas größten LGBTQ-Pride-Paraden nutzten viele extrem konservative Sprecher ihre YouTube-Kanäle, um Leute zum Protest gegen die Paraden aufzurufen.

Protestierende störten ansonsten friedliche schwule Kulturfestivals in der an Seoul angrenzenden Stadt Incheon und auf der Insel Jeju, indem sie beleidigende Phrasen wie „Geht heim!“ oder „Wir sind gegen Homosexualität, weil wir euch lieben!“ skandierten. Überdies blockierten sie die Straße mittels Autos und einer menschlichen Barrikade, im Versuch, die Parade zu unterbrechen.

„Ich erinnere mich, dass ein Demonstrant rief: ‚Hier sind Grundschulen gleich in der Nähe, wie könnt ihr es wagen, hier ein schwules Festival abzuhalten!‘ sagte Heezy Yang, ein schwuler Aktivist und Künstler, der an beiden Paraden teilgenommen hatte. Yang sagte, dass er und andere sich durch die Proteste entmutigt gefühlt hätten und er danach tagelang unter Depressionen gelitten hätte.

Heezy Yang, ein LGBTQ+-Aktivist macht ein Selfie vor seiner Buchpräsentation und einer Ausstellung seiner Zeichnungen. (Seoul, Südkorea, 2018)

Yang probt vor seiner Buchpräsentation. (Seoul, Südkorea, 2018)

Eine Dragqueen tritt bei Yangs Buchpräsentationsparty auf. (Seoul, Südkorea, 2018)

Die Halskette einer Dragqueen bei Yangs Buchpräsentationsparty. (Seoul, Südkorea, 2018)

Eine Dragqueen tritt bei Yangs Buchpräsentationsparty auf. (Seoul, Südkorea, 2018)

Krieg gegen Fake News

Fake News hat solche Proportionen erreicht, das Südkoreas Premierminister sie eine Bedrohung für die Demokratie genannt hat und Gesetzgeber Entwürfe vorschlagen, um das Problem zu beheben.

“Fake News haben die Spaltung des öffentlichen Diskurses vorangetrieben und die Demokratie bedroht“, sagte Lee Nak-yon laut Yonhap News TV am 2. Oktober 2018 bei einer Kabinettssitzung. Der Justizminister wiederum kündigte am 16. Oktober 2018 an, dass die Staatsanwälte Vorkommnissen von Desinformation in „schweren Fällen“ selbst dann nachgehen würden, wenn keine Beschwerden vorliegen.

Gesetzgeber haben außerdem Gesetzesentwürfe vorgeschlagen, anhand derer die Sozialen Netzwerk-Plattformen zu Verantwortung gezogen werden könnten, wenn sie Fake News nicht ausreichend bekämpfen.

Zum Beispiel hat der demokratische Gesetzgeber Park Kwang-on einen Gesetzesentwurf vorgeschlagen, der sich an Deutschlands Netzwerkdurchsetzungsgesetz orientiert. Dieses verlangt von Sozialen Netzwerken mit mindestens zwei Millionen registrierten Nutzern, Hassreden und Diffamierungen laut deutschem Strafrecht innerhalb von 24 Stunden nach einer eingegangenen Beschwerde zu löschen.

Kritiker des deutschen Gesetzes meinen, es hätte zu einer zu strengen Kontrolle von Inhalten geführt, da Facebook und die anderen Sozialen Netzwerke nun mit Strafzahlungen bis zu 5 Millionen Euro rechnen müssen.

Doch koreanische Experten finden, dass das Gesetz trotz seiner Nachteile nuancierter als das von Park vorgeschlagene ist. Es ist fraglich, ob ein solches Gesetz dazu verwendet werden könnte, die Redefreiheit einzuschränken.

Bei Parks Vorschlag beziehen “falsche Informationen“ sich hauptsächlich auf falsche Behauptungen, die gegen die Regierung oder das Land gerichtet sind. Bei der Definition von Hassrede fehlen Beispiele von gegen Minderheiten gerichteter Desinformation.

Bei der diesjährigen Nationalratssitzung zu Kontrolle und Ermittlung – eine jährliche Anhörung im Oktober, die öffentlich zugänglich ist – befragte Park den CEO von Google Korea, John Lee, zu einigen hundert Videos auf dem zu Google gehörenden YouTube, die er als Fake News markiert hatte.

Als Park Lee fragte, warum die markierten Inhalte nicht gelöscht worden waren, sagte dieser: „Es ist nicht YouTubes Aufgabe, der Überbringer von Wahrheit zu sein.“

YouTube Korea reagierte nicht auf Global Grounds Bitte um Stellungnahme.

Die meisten Fake News, die Park erwähnte, waren Verschwörungstheorien zur Geschichte von Südkorea, wie Behauptungen, dass nordkoreanische Kräfte hinter dem Gwangju-Aufstand am 18. Mai 1980 gewesen seien. Hunderte Südkoreaner wurden bei diesem Aufstand getötet.

Es wurden keine Beispiele von Fake News angesprochen, die sich gegen die LGBTQ-Gemeinde oder gegen Flüchtlinge richteten.

Als Global Ground wissen wollte, wie er Hassrede definieren würde, verwies Parks Pressesprecher auf die betreffenden Richtlinien der Wahlkommission.

Die Wahlkommission enthält jedoch keine konkreten Richtlinien zu Hassrede and die existierenden Regeln im Wahlgesetz – Paragraph 110 – beschränken sich auf Wahlkampfreden.

Wenn die Gesetzgeber nicht in der Lage sind, zu definieren, welche Fehlinformationen in Bezug auf Hassrede reguliert werden sollten, sollte die Verantwortung dann bei den Sozialen Netzwerkfirmen liegen?

Hass bekämpfen

Wie können wir also die schleichende Verbreitung von Fake News eingrenzen? Und – noch wichtiger – wie bekämpfen wir hass-motivierte Desinformationen, die die Sicherheit und das Leben von Minderheiten gefährden, unter anderem Frauen, LGBTQs und Migranten und Flüchtlinge?

This slideshow requires JavaScript.

1. & 5. Südkoreanische Universitätsstudenten demonstrieren gegen die Diskriminierung von Frauenclubs an Universitäten und für Geschlechtergleichheit. (Seoul, Südkorea, 2018)
2. Südkoreanische Studenten jubeln, während sie bei einer Kundgebung gegen die Diskriminierung von Frauenclubs an Universitäten und für Geschlechtergleichheit einer Rede lauschen. (Seoul, Südkorea, 2018)
3. Ein südkoreanischer Universitätsstudent halt eine Rede. (Seoul, Südkorea, 2018)
4. & 6. Südkoreanische Studenten tragen Schilder als sie auf die Straße gehen. Auf den Schildern steht „Tschüss 2018, Tschüss Diskriminierung“ und „Keine Frauen in so einer Demokratie“. (Seoul, Südkorea, 2018)

Sohn Ji-won, Anwalt bei Open Net – einer Gruppe, die sich für die Redefreiheit einsetzt – meint, es wäre besser, den Hass selbst anzugehen als nur die Hassrede.

“Das Hauptproblem ist die Hasskultur, nicht deren Ausdruck. Nur weil jemand versucht, den Ausdruck im Internet zu entfernen, bedeutet das nicht, dass die Kultur dahinter weg sein wird“, sagte Sohn.

Auf jeden Fall aber wird es entscheidend sein, eine legale Definition für Hassrede zu finden und sicherzustellen, dass diese Definition nicht für politische Zwecke missbraucht werden kann. Sohn fügte hinzu, dass ein umfassendes Anti-Diskriminierungsgesetz ein Weg dorthin wäre.

Südkoreas Anti-Diskriminierungsgesetz wurde erstmalig unter der demokratischen Roh Moo-hyun Regierung im Jahr 2006 vorgeschlagen, aber wurde aufgrund der Empörung zahlreicher Interessensgruppen im Parlament blockiert. Zu den Lobbyisten gehörten christliche Fundamentalisten und Unternehmen, die laut Hongs Vortrag am 22. September 2017 bei einem internationalen Seminar im Menschenrechtszentrum der Universität Seoul die Entfernung bestimmter Anti-Diskrimierungsklauseln verlangten, wie zum Beispiel die der sexuellen Orientierung, des Bildungsstands, Herkunftslandes, Familienstandes oder Militärdienst-Hintergrundes.

Nach einer Reihe von fehlgeschlagenen Versuchen, das Anti-Diskriminierungsgesetz durchzubringen, besteht in Südkorea momentan kein übergeordnetes Gesetz, dass die landeseigenen LGBTQ-Menschen, Frauen und Migranten von Hassrede und Diskriminierung schützt.

“Es lässt sich nicht leugnen, dass verschwörungstheoretische Fake News ein riesiges soziales Problem geworden sind. Menschen, die gegen andere Gruppen gerichtete Verschwörungsnachrichten – sei es aufgrund ihres Geschlechts oder ihrer sexuellen Orientierung – absichtlich vervielfältigen und teilen, sollten bestraft werden. Aber dafür müsste dringendst ein umfassendes Anti-Diskriminierungsgesetz verabschiedet werden“, sagte Yang.

Bis dahin organisiert er weiterhin Pride-Veranstaltungen, um LGBTQ-Rechte zu unterstützen, egal, wie viel Empörung diese auf sich ziehen. „Es ist unser Grundsatz, auf Gewalt und Hass nicht mit Gewalt und Hass zu reagieren. Es tut immer noch weh, dass wir diese Angriffe hinnehmen müssen, einfach, weil wir existieren – aber wir leisten weiter friedlichen Widerstand“, sagte Yang.

Article by Yewon Kang.
Pictures by Jean Chung.
Editing by Denise Hruby and Anrike Visser.
Data analysis by Peter Clark and Yewon Kang.
Illustrations by Imad Gebrayel.
Audio story by Melanie Hall.

Taking you where others don't
Ready to make sense of foreign news?

By subscribing you agree that your information will be transferred to MailChimp for processing in accordance with their Privacy Policy (https://mailchimp.com/legal/privacy/) and Terms (https://mailchimp.com/legal/terms/).